Mittwoch, 27. Januar 2010

Canterbury - Erzbischof und Chaucer

Nachdem das neue Jahr nun schon einige Wochen alt war, wurde es Zeit für den nächsten Kurztrip. So haben wir uns also zu viert für ein Wochenende nach Canterbury aufgemacht - bekannt durch das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche sowie auch einen der ersten englischen Dichter.
Schon der Beginn unserer Reise war in gewisser Weise bemerkenswert, denn wir sind von dem umwerfend riesigen und wundervoll renovierten Bahnhof St Pancras International gestartet. Ganz genau, da, wo auch die Eurostars losfahren, die dann später im Tunnel steckenbleiben... Wie dem auch sei, unsere Hinfahrt war jedenfalls problemlos und sehr bequem mit einem schicken High Speed Train, der irgendwie trotzdem an jedem Dorf gehalten hat. Nachdem wir in Canterbury unser Hostel gefunden hatten (unser Tipp: verlasst euch niemals auf Wegbeschreibungen, guckt euch immer eine Karte an!), konnten wir erstmal gemütlich ankommen und unsere tolle Unterkunft genießen. Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie habe ich hier auf der Insel immer nur Glück mit den Hostels! Unser erster Programmpunkt hieß natürlich: Die Stadt erkunden sowie die Touristeninformation finden. Beides erfolgreich abgeschlossen begaben wir uns dann in die berüchigte Canterbury Cathedral. Und ohne zu übertreiben kann ich behaupten: Das ist wirklich eine der mächtigsten, schönste, größten und beeindruckendsten Kirchen, die ich in meinem Leben bisher betreten durfte! Allein die Größte ist natürlich schon beeindruckend. Dazu kommen dann noch eine atemberaubend lange und auch spannende Geschichte sowie auch wunderschöne und liebevoll gestaltete Details.
Woher ich meine historischen Informationen beziehe? Nun ja, wir fleißigen Studentinnen haben brav eine "guided tour" gebucht, um uns informativ beschallen zu lassen. Wie der Zufall es wollte, hatten wir das Glück, dass zu dieser Zeit außer uns niemand so wissbegierig war. Wir hatten also einen knuffigen ehemaligen Geschichtslehrer ganz für uns allein, der uns deutlich über 90 Minuten die Historie dieses Gotteshauses näher gebracht hat. So durften wir nicht nur gespannt zuhören, wie und warum Thomas Becket seinerzeit ermordet wurde, sondern auch Fragen stellen und beantworten, Texte vorlesen und den Pilgerpfad entlang wandern. Wenn wir gewollt hätten, dann wäre es uns sicherlich auch möglich gewesen, die Gefühle der Pilger auf den Knien nachzuempfinden.
Anschließend an diesen ausgesprochen lehrreichen und beseelenden Kathedralenbesuch war dann die Essenssuche angesagt. Nachdem wir uns zunächst in einem Café darauf geeinigt hatten, dass wir als nächstes einen Pub zum Abendessen suchen wollten, stellte sich heraus, dass die meistens dieser Art in Canterbury nach 17 Uhr keine Speisen mehr servieren... Aber zum Glück sind die Briten ja so außerordentlich höflich und es fand sich ein netter Herr, der uns einen erstklassigen Pub um die Ecke empfahl. Name: Thomas Becket - wie passend! Darauf folgte gleich wieder eine Suche getreu der Frage "Wie finden wir einen Supermarkt, der nach 19 Uhr noch geöffnet hat?". Da die Situation in dieser Hinsicht eher HH-Volksdorf ähnelte und nicht den Londoner Außenbezirken, sind wir doch noch eine Weile umher gelaufen, bevor wir dann schließlich einen Tesco fanden, der uns mit Wein und Schokoladen Cupcakes austatten konnte. Hierbei handelte es sich nämlich um notweniges Beiwerk zu einem netten Spieleabend im gemütlichen Hostel. Der folgende Tag hielt für uns erfreulicherweise ausgesprochen sonniges Wetter bereit. Um dieses (in letzter Zeit hier selten gesehen...) ordentlich auszunutzen, haben wir uns fast ausschließlich aufs Spazierengehen beschränkt. So ging es von der Ruine einer der ältesten englischen Kirchen auf die andere Seite der Innenstadt zum letzten erhaltenen Tor der Stadtmauer und zwischendurch immer wieder durch die hübschen Straßen mit den entzückenden Häusern in der Altstadt. Nicht zu vergessen natürlich auch den wunderschönen Weg entlang an einem kleinen Flüsschen. Und das ganze bei Sonnenschein - habe ich das schonmal erwähnt? Das Museum über die Canerbury Tales von Geoffrey Chaucer haben wir dann letztendlich leider nicht mehr besucht. Aber eventuell kann man ja nochmal einen Tagesausflug dorthin machen. Schließlich ist Canterbury gar nicht so weit weg von London. Und vielleicht sollte ich sowieso erstmal das Buch gelesen haben...

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